Unsere Wolle

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Über die Zukunft der Schafzucht wird auch im Bett entschieden.

Der Schafzucht und den Schäfern geht es schlecht. Der Rückgang der Schafhaltung ist dramatisch, viele einst sehr verbreitete Rassen stehen heute auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Hoher Aufwand (Wolfsschutz, Papierkram), fehlende Vermarktungswege (wo gibt es noch Schlachter und Kunden?) und auch der vollkommen zusammengebrochene Wollmarkt sind eine perfekte negative Mischung. Dabei übernehmen Schafe und Schäfer große Verantwortung: Arterhaltung, Naturschutz, Biodiversität sind nur wenige Punkte, die "nebenbei" erledigt werden. Der Artikel von Dr. Albrecht (NABU Bielefeld) beschreibt dies sehr anschaulich.

Also haben wir, zusammen mit einigen befreundeten Bioland Schäfern, begonnen, durch den Verkauf von Steppdecken aus der Wolle eben dieser heimischen Schafe wieder für etwas mehr Wertschöpfung, vor allem aber auch für mehr Wertschätzung gegenüber den Schafen und ihren Hirten zu sorgen.

Wir sind überzeugt, dass wir die ökologisch so wertstiftende Schafhaltung nur erhalten können, wenn auch die so einzigartige Wolle wieder mehr als kostendeckend gehandelt wird. Wir wollen nutzen, was hier wächst und das tut allen, Mensch, Tier und Natur, gut.

Urlaubsgeld für die Schäfer

Viele Kunden aus der Region kennen unsere Schäfer und bezahlen mehr als sie müssten, eben weil sie deren schwere Arbeit, sieben Tage pro Woche, rund ums Jahr selbst erleben können. Daraus ist dann die Idee entstanden, dieses Mehr an Wertschätzung auch den Kunden von weit her zu ermöglichen. Wer mag, klickt im Shop "Urlaubsgeld für die Schäfer" an und freut sich über mehr Wertschöpfung für die Herden. Wir verteilen dieses Geld einmal im Jahr an die Schäfer, manchmal berichtet auch die Zeitung darüber.

Urlaubgsgeld für die Schäfer

Wolle, kleine Materialkunde...

Wolle ist ein Naturphänomen:

Wolle wärmt, wo Kälte droht, isoliert gegen Hitze, ist unglaublich flamm­beständig (und wird daher sogar in der Kleidung von Formel-1-Fahrern eingesetzt) und dabei ein immer nachwachsender Rohstoff, der vollständig kompostierbar ist und anschließend sogar als Dünger wirkt.

Über Jahrtausende begleitete die Schafzucht die Entwicklung des Menschen. Wunderbar beschrieben wird dies im Buch „Schafe: Ein Portrait“ von Eckhard Fuhr und Judith Schalansky (Verlag Matthes & Seitz, Berlin). Über diese lange Zeit galt das züchterische Interesse vielen Aspekten: gute Marschfähigkeit für nomadische Völker, Standorttreue für sesshafte Gemeinschaften, Milchproduktion, Fleischgewinnung und immer auch die Wollgewinnung. Die Wolle der Schafe musste in vollkommen unterschiedlichen Klimazonen perfekt funktionieren: hoch im kalten Norden, im windig-nassen Lake District Englands, in den Tiefebenen und Höhenlagen Mitteleuropas sowie im Mittelmeerraum. Überall entstanden Schafrassen mit einzigartig angepasster und hoch geschätzter Wolle. Dabei musste sie stets zwei Funktionen erfüllen: das Schaf vor nächtlicher Kälte schützen und es an heißen Tagen temperieren. Kein anderer Naturstoff kann das – und genau deshalb ist Wolle wie kein anderes Material geeignet, auch uns Menschen Tag und Nacht zu begleiten.

Schafe und Menschen verbindet eine sehr lange gegenseitige Partnerschaft, bis die scheinbare Moderne mit ölbasierten Kunstprodukten glaubte, besser zu sein als die Natur und die über Jahrtausende wertgeschätzte Wolle plötzlich als altmodisch galt. Nylon und Polyester, Mikroplastik und Wegwerfkultur, Müll und Elend sind die heute sichtbaren Folgen. Doch es gab und gibt immer Menschen, die an der Vernunft der Natur keinen Zweifel hatten und haben. Der Verfasser dieser Zeilen kaufte mit 17 Jahren sein erstes Spinnrad – 1980 nicht ungewöhnlich, auch wenn es heute so klingen mag. Auf die Phase des Spinnens folgte die Verwendung der Wolle in Bettdecken. Und diese Idee lebt weiter.

Schauen wir uns die Wolle etwas genauer an:

Wolle kann bis zu 50 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen. Wer unter Schafwolle schläft – idealerweise auch auf einer Schafwollunterlage – profitiert nicht nur von einer temperaturregulierenden, sondern ebenso von einer feuchtigkeitsregulierenden Schlafatmosphäre. Das sind beste Voraussetzungen für echte Erholung im Schlaf – besser schlafen unter Schafen.

Wir sollten uns immer bewusst machen: Der Mensch atmet nicht nur mit seinen Lungen, auch die Haut mit ihren Millionen Poren benötigt eine atmungsaktive Umgebung und keine kunststoffbasierte Folie. Man stelle sich das Mikroklima vor, wenn die nachts abgegebene Feuchtigkeit nicht entweichen kann und so einen idealen Nährboden für Mikroben aller Art bildet. Die Wollfaser besitzt eine sehr komplexe Struktur, teilweise sogar mit isolierenden Lufteinschlüssen. Dabei ist die Dicke der einzelnen Fasern entscheidend. Dünne Wollfasern, wie sie etwa Merinoschafe liefern, schmiegen sich an, geben nach und pieksen oder kratzen nicht. Sie eignen sich hervorragend für weiche Wollpullover, aus unserer Sicht jedoch weniger für Bettdecken. In der aufgekämmten Wolle unserer Steppdecken soll die flauschige Struktur erhalten bleiben, in der die isolierende Luft eingeschlossen ist. Dafür benötigen wir stabilere Fasern, wie sie unsere mitteleuropäischen Landrassen liefern. Zu hart oder zu grob darf die Wolle allerdings auch nicht sein, weshalb wir beispielsweise keine Schnucken- oder Skuddenwolle verwenden.

Wie viel Zeit verbringt der Mensch im Bett? Es gibt wohl keinen Ort, an oder in dem wir mehr Zeit verbringen. Was könnte also schöner und erfüllender sein, als dabei ganz nah an der Natur zu sein? Dieser besondere Rohstoff verdient eine besondere Behandlung – fernab großer Fabriken und industrieller Massenfertigung. Jedes Schaf wird von Hand geschoren, die Wolle anschließend ebenfalls von Hand sortiert. Unbrauchbare Partien, wie etwa Bauchwolle, werden aussortiert. Die sehr lanolinhaltige Rohwolle wird dann gewaschen und mechanisch gereinigt, wobei bis zu der Hälfte ihres ursprünglichen Gewichts verloren geht. Nach der Lufttrocknung beginnt die eigentliche Deckenproduktion: Über große Walzen mit unzähligen feinen Häkchen wird die Wolle Lage für Lage aufgekämmt, bis ein lockeres Vlies in der gewünschten Dicke entsteht. Diese watteartige Wolle wird von geübten Händen in einen Rahmen gehoben und mit dem Bezugsstoff aus Bio-Baumwolle umhüllt. Die anschließende Steppung sorgt dafür, dass die Wolle nicht verrutscht und keine Kältebrücken entstehen. Danach werden die Kanten sauber vernäht, und nach vielen sorgfältigen Handgriffen ist die Decke fertig – in Ostwestfalen-Lippe gewachsen, in Deutschland gefertigt.

Diese Decke begleitet Sie dann jede Nacht, Jahr für Jahr. Bitte gehen Sie achtsam mit ihr um: Lüften Sie sie täglich gründlich und machen Sie das Bett morgens nicht sofort „ordentlich“. Schafe lassen sich kaum wie andere Nutztiere mästen oder dauerhaft im Stall halten. Daher sind sie überwiegend Weidetiere und verbringen nur den Winter im Stall.

Dennoch gibt es Unterschiede, weshalb wir uns bewusst entschieden haben, unsere Wolle ausschließlich von Schafen zu beziehen, deren Halter und Lebensbedingungen wir kennen. Die Tiere werden in ökologischer Weidehaltung gehalten und erhalten möglichst auch im Winter Bio-Futter. Das ist aufwendig und nicht immer vollständig umsetzbar, trifft jedoch auf den überwiegenden Teil unserer Schafe zu. Fast alle stammen aus Bio-zertifizierten Betrieben. Kleine Schafhalter, die ihre Tiere ebenso verantwortungsvoll halten, aber die Kosten einer Zertifizierung scheuen, schließen wir dennoch nicht als Lieferanten aus. Auch unsere eigenen Schafe fressen im Winter wieseneigenes, ungedüngtes Heu, Bio-Hafer und Bio-Möhren, sind jedoch nicht formal bio-zertifiziert.

Besonders hochwertige Wolle erhalten wir von den leider nur noch seltenen ostfriesischen Milchschafen – einer echten Drei-Nutzen-Rasse für Wolle, Milch und Fleisch, zudem sehr lämmerreich. Diese eher empfindliche Landrasse erfordert eine besonders aufmerksame Begleitung durch den Züchter.

Etwas robuster sind Bentheimer Landschafe, Rhönschafe, Coburger Fuchsschafe und einige weitere Rassen, die ebenfalls teilweise in ihrem Bestand bedroht sind. Nähere Informationen dazu bietet die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen (GEH).

Jede Rasse hat ihre eigenen Wolleigenschaften

Und manchmal macht gerade die Mischung aus verschiedenen Rassen eine Wollmischung besonders geeignet für unsere Decken.

Für unsere Decken in der „Ravensbergqualität“ verwenden wir ausschließlich die Wolle der großen Herde der Anstalt Bethel, die rund um Bielefeld weidet. Vor allem in der traumhaft naturnahen Sennelandschaft trägt diese Herde zur Erhaltung einer einzigartigen Kulturlandschaft bei. Bei den Tieren handelt es sich um Coburger Fuchsschafe, ebenfalls eine alte Landrasse, bei der jedoch eine gewisse züchterische Ausrichtung auf die Fleischgewinnung erkennbar ist. Das mindert in keiner Weise die Schönheit dieser Tiere, die eine durchaus robuste Wolle tragen. Gelegentlich treten sogenannte Sichelhaare auf – einzelne dickere und stabilere Haare, die mitunter kratzen oder stechen können.

Die Baumwollbezüge unserer Bettdecken sind jedoch stabil genug, um diese natürliche Eigenheit auszugleichen. Sollte dennoch einmal ein einzelnes Haar nach außen treten, ist dies ein natürliches Zeichen für die Reinheit der Wolle und kein Mangel oder Reklamationsgrund. Wer Kleidung oder andere Produkte aus der schimmernden Wolle der Coburger Füchse – deren Vlies auch als „das goldene Vlies“ bezeichnet wird – erwerben möchte, kann sich an info@das-goldene-vlies.de wenden. Outdoor-Kleidung aus der besonderen Wolle der rauwolligen pommerschen Landschafe ist erhältlich unter info@nordwolle.com. Handgefertigte Teppiche aus Schurwolle finden sich bei info@habbishaw.de.

Unsere Bettenfamilie

Die Wolle für unsere Bettwaren stammt von Schafen aus Ostwestfalen, die in ökologischer Weidehaltung leben. Das ist gut für die Schafe und ebenso gut für die Insekten, die von dem leben, was die Tiere auf den Weiden hinterlassen. Diese beweideten Grünflächen speichern übrigens mehr CO₂ als Wälder – auch deshalb ist die Beweidung von Wiesen so wichtig. Da wir uns bewusst auf regionale Herkünfte beschränken, ist unsere Wolle nicht unbegrenzt verfügbar. Es kann daher vorkommen, dass einzelne Produkte zeitweise ausverkauft sind. Die Wolle wächst jedoch jedes Jahr nach, und industrielle Massenware möchten wir ohnehin nicht herstellen. Unsere langjährigen Erfahrungen haben zu einer Dreiteilung unserer Decken geführt:

Sommerdecken mit etwa 300 g Wolle pro Quadratmeter sind leichte Decken, die auch eine kühlere Sommernacht gut überstehen lassen. Es gibt zwar Sommerdecken mit noch weniger Wollfüllung, doch lohnt sich dafür der Aufwand des Steppens aus unserer Sicht nicht. Für tropische Nächte empfehlen wir daher andere Lösungen.

Ganzjahresdecken mit rund 450 g Wolle pro Quadratmeter eignen sich auch als Winterdecke, sofern das Schlafzimmer nicht zu kalt wird, etwa in gut gedämmten Niedrigenergiehäusern oder wenn die Fenster nachts geschlossen bleiben. Eigentlich sind diese Decken jedoch eher als Drei-Viertel-Jahresdecken zu verstehen, denn selbst kühlende Wolle kann im Sommer als zu warm empfunden werden.

Die echten Winterdecken mit etwa 700 g Wolle pro Quadratmeter machen ihrem Namen alle Ehre. Wir beobachten bei unseren Schafen, dass der Schnee, den sie abends von draußen mit in den Stall bringen, morgens manchmal noch nicht getaut ist – so gut isoliert die Wolle auf dem Schafrücken. Genauso zuverlässig isolieren auch unsere Winterdecken. Offene Fenster im Winter sind damit kein Problem.

Da das Wärmeempfinden von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist, können wir keine allgemeingültigen Empfehlungen geben.

Es gibt jedoch eine besonders praktische Lösung: die Kombidecke aus Sommer- und Ganzjahresdecke. Mit der Sommerdecke kommt man gut durch die warme Jahreszeit, mit der Ganzjahresdecke durch Herbst und Übergangszeiten, und wenn im Winter die volle Kraft der Wolle benötigt wird, lassen sich beide Decken zu einer Doppeldecke verbinden. Dafür werden bereits bei der Herstellung passende Bänder an die Decken genäht. Mit dieser Kombination hat man eine flexible Lösung für das ganze Jahr.

Pflege

Lüften, lüften, lüften – eigentlich ist damit schon alles gesagt. Eine der großen Stärken der Wolle ist ihre Fähigkeit, während der Nacht viel Feuchtigkeit aufzunehmen. Tagsüber muss diese Feuchtigkeit jedoch wieder an die Umgebungsluft abgegeben werden, damit die Decke für die nächste Nacht bereit ist. Wie soll das gelingen, wenn direkt nach dem Aufwachen das Bett ordentlich gemacht wird und drei oder vier Lagen Wolle übereinanderliegen? Bitte hängen Sie die Bettdecken tagsüber lieber über eine Stange oder ein Treppengeländer und lassen Sie sie gründlich auslüften. Ihre Decke wird es Ihnen danken. Sollte dennoch einmal eine Wäsche notwendig sein, gilt: maximal 30 °C, kein Schleudern, da die Wolle sonst verfilzt und ihre wärmenden Eigenschaften verliert. Statt herkömmlichem Wollwaschmittel empfehlen wir ein mildes Bio-Haarshampoo ohne Duftstoffe. Lassen Sie die Decke anschließend langsam, waagerecht und im Schatten trocknen und beachten Sie bitte auch das angenähte Pflegeetikett. Unsere Kopfkissen verfügen über eine aufwendig gesteppte Hülle aus Bio-Baumwolle. Hier kann die Wollfüllung entnommen und die Hülle separat heiß gewaschen werden – hygienisch und schonend für die Wolle. Ein weiterer Vorteil: Je nach persönlicher Vorliebe lässt sich Wolle entnehmen oder nachfüllen, sodass Sie Ihr Kissen individuell anpassen können.

Die wohltuende Wirkung von Wolle

Oft hören und lesen wir vom Zusammenhang zwischen Rheuma und Wolle sowie von der wohltuenden Wirkung von Wollprodukten. Dabei möchten wir bewusst keine Versprechen geben oder Hoffnungen wecken. Dennoch können die Rückmeldungen unserer Kundinnen und Kunden ein Hinweis sein.

Eine Kundin schreibt: „Meine neu gewonnene Schlafqualität verdanke ich lippischen Schafen. Noch rechtzeitig vor dem großen Wintereinbruch hier in Ostwestfalen habe ich eine Schafwollbettdecke in Lippequalität sowie ein Schafwollunterbett in der Eickernmühle in Lemgo-Vossheide erworben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, wie viel besser sich das Schlafen plötzlich anfühlt und auf mich wirkt. Frieren ist seitdem kein Thema mehr. Von oben und unten umgibt mich eine kuschelige, wohltuende und angenehme Wärme. Seit ich so schlafe, wache ich morgens deutlich frischer und munterer auf. Meine morgendliche Steifigkeit, bedingt durch rheumatische Rückenbeschwerden, hat tatsächlich etwas nachgelassen. Das führe ich vor allem auf die gleichmäßige, angenehme und muskelentspannende Wärme unter und auf der Schafschurwolle zurück. Dieser entspannende und schmerzlindernde Effekt hält auch nach dem Aufstehen noch eine ganze Weile an und erleichtert meine morgendliche Gymnastik. Decke und Unterlage bleiben deshalb dauerhaft in meinem Bett. Wahrscheinlich werde ich diesen behaglichen Komfort in Gastbetten auf Reisen schmerzlich – im wahrsten Sinne des Wortes – vermissen.“ Elisabeth aus Detmold